Der wunde Punkt f7/f2
Es ist bereits bekannt, daß zu Beginn einer Partie die Felder f7 und f2 besonders empfindlich sind, da sie jeweils nur vom König gedeckt werden. Es ist also leicht zu verstehen, daß in vielen Eröffnungssystemen der Kampf gerade um diese gefährdeten Zonen geführt wird. Der Angriff auf f7 bzw. f2 ist vor allem für offene Spiele charakteristisch.
Ein kleines Beispiel:

1. e4 {ein gewöhnlicher Eröffnungszug.Er besetzt das Zentrum und kontrolliert die Felder d5 und f5.Gleichzeitig öffnet er Linien für die Dame d1 und Läufer f1.} e5 {Schwarz antwortet nach gleichen Prinzipien.} 2. Bc4 {Weiss entwickelt den Läufer,der ebenfalls in das Zentrum(d5) ziehlt und greift gleichzeitig den schwächsten Punkt f7 an.} Bc5 {Schwarz folgt hier der Symmetrie.} 3. Qh5 {Weiss greift den Bauern e5 an und droht schon gefährlich auf f7.(Doppelangriff) } Nc6 ??{Ein Fehler mit schweren Folgen.} 4. Qxf7# {und matt! Dies ist das sogenannte Schäfermatt.} *
Zwei Anmerkungen:
Die Erste zum Begriff „Offene Spiele" und dem Prinzip der heutigen Eröffnungsklassifizierung. Die Theorie teilt alle Eröffnungen in drei Gruppen ein: offene, halboffene und geschlossene Spiele, Zur ersten Gruppe gehören alle Eröffnungen, in denen schwarz auf 1. e4 mit 1... e5 antwortet. Zur zweiten gehören alle diejenigen, in denen Schwarz auf 1.e4 nicht mit 1... e5 antwortet, sondern mit einem beliebigen anderen Zug. Zur dritten Gruppe schließlich zählt man alle Eröffnungen, in denen Weiß nicht mit 1. e4 eröffnet.
Eine derart starre Einteilung kann heutzutage nur bedingt gelten. Die Übergänge sind fließend, und man kann durch Zugumstellung ohne weiteres in ein offenes Spielsystem abgleiten, auch wenn man mit einer geschlossenen Eröffnung begonnen hat. Betrachten Sie die Einteilung bitte nur als Systematisierungshilfe. Wir werden alle charakteristischen Eigenheiten der einzelnen Eröffnungen kennenlernen, aber ebenso die Gruppen, in welchen sie zusammengefaßt sind.
Die zweite Anmerkung betrifft die Methode des Studiums von Varianten, die bei jeder Eröffnung zahlreich anzutreffen sind. Soll man Varianten wie das Einmaleins auswendig lernen?
Das Schachspiel birgt eine Unzahl verschiedener Möglichkeiten, wobei die einzelnen Varianten nur Fortsetzungsbeispiele sind, die bereits in der Praxis erprobt sind. Das bedeutet aber nicht,daß man in einer bestimmten Situation nicht auch einen anderen, doch genauso annehmbaren Zug machen kann. Das Auswendiglernen von Eröffnungsvarianten ist nicht nur unnötig, sondern kann dem Schachspieler auch schädlich werden, indem es seine schöpferischen Qualitäten hemmt, E. Lasker sagt dazu: „Die Kunst des Schachspiels darf man nicht nur auf das Gedächtnis zurückführen, da das Auswendiglernen von Varianten nicht von entscheidender Bedeutung ist. Das Gedächtnis ist eine viel zu wertvolle Waffe, als daß man es auf solche Nichtigkeiten verschwenden sollte. .."
Ein Beispiel für einen solchen Angriff,werden wir bei betrachten der "italienischen Partie" erörtern.